IV.

Expansion und Rückzug

Die archäologischen Sammlungen unter Gustav Körte und Hermann Thiersch
Gustav Körte, Gemälde eines unbekannten Künstlers, um 1905, Rom, Deutsches Archäologisches Institut. Foto H. Behrens, Neg. D-DAI-ROM 2023.2072. Alle Rechte vorbehalten.
Gustav Körte, Gemälde eines unbekannten Künstlers, um 1905, Rom, Deutsches Archäologisches Institut. Foto H. Behrens, Neg. D-DAI-ROM 2023.2072. Alle Rechte vorbehalten.

Mit Gustav Körte (1852–1917) wurde 1907 einer der prominentesten und dynamischsten Archäologen seiner Zeit auf den Göttinger Lehrstuhl berufen. Er war weitgereist und verfügte über beste Kontakte in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Er war ein typischer Vertreter der archäologischen Großforschung im Zeitalter Wilhelms II.

1912 war Körte maßgeblich an der Planung eines neuen Seminargebäudes beteiligt, in dem das Archäologische Institut und seine Sammlungen den meisten Raum erhielten.
Dank einer großzügigen Spende konnte Körte 1912 die Sammlung der Gipsabgüsse stark erweitern. Als führender Etrusker-Experte seiner Generation tätigte er auch wichtige Neuerwerbungen etruskischer Werke für die Originalsammlung.

Nach Körtes unerwartetem Tod 1917 folgte ihm mit Hermann Thiersch (1874–1939) ein ganz anders veranlagter, eher introvertierter Gelehrter. Auch die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg trugen dazu bei, dass die Sammlungen nur noch in bescheidenerem Maße wuchsen. Unter den nicht sehr zahlreichen Neuerwerbungen aus der Ära Thiersch ragen Abgüsse archaischer Skulpturen aus Griechenland hervor.

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten sah sich Thiersch zunehmendem politischen Druck ausgesetzt und zog sich mehr und mehr in die ‚innere Emigration‘ zurück.
Unter den wissenschaftlichen Mitarbeitern von Körte und Thiersch sind zwei Persönlichkeiten besonders hervorzuheben: Paul Jacobsthal (1880–1957), der 1912 ein grundlegendes Werk über die Göttinger Vasensammlung veröffentlichte, und Kurt Müller (1880–1972), der sich von 1912 bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg unermüdlich für das Göttinger Institut und seine Sammlungen einsetzte.

Die Körte-Spende und der Ausbau der Gipssammlung

Zum 60. Geburtstag empfing Gustav Körte 1912 eine beträchtliche Geldspende von Schülern und Freunden, zu denen auch die Industriellenfamilie Krupp gehörte. Mit ihr war Körte seit seiner Kindheit eng verbunden, besonders mir Friedrich Alfred Krupp, der im Jahre 1900 die Ausgrabungen Gustav und Alfred Körtes im kleinasiatischen Gordion, der Hauptstadt Phrygiens, finanzierte.

Körte stellte die Spende der Universität zur Verfügung, unter der Bedingung, dass die Summe aus öffentlichen Mitteln verdoppelt werde. Der Antrag wurde bewilligt, und so konnte die Sammlung der Gipsabgüsse im großen Stil erweitert werden – gleich nach Eröffnung des neuen Institutsgebäudes am Nikolausberger Weg mit seinen großzügig geplanten Schauräumen.

Rekonstruktion des Ostgiebels des Aphaiatempels

Original in München, Glyptothek
Rekonstruktion nach Furtwängler Erworben 1913 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Trotz der großen Bedeutung der Giebelfiguren des Aphaiatempels von Aegina für die griechische Stilgeschichte besaß die Göttinger Sammlung bis 1913 keinen einzigen Abguss dieser Skulpturen. Aus der Körte-Spende wurden neben dem Kopf der Athena sieben Statuen und drei weitere Köpfe sowie
Miniaturmodelle beider Giebel erworben. 

Abguss des Herakles

Ostgiebel Aphaiatempel
Original in München, Glyptothek, Inv. Nr. 84
Erworben 1913 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Abguss des sog. Rechten Helfers

Ostgiebel Aphaiatempel
Original in München, Glyptothek, Inv. Nr. 88
Erworben 1913 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Abguss eines sterbenden Kriegers (sog. Laomedon)

Ostgiebel Aphaiatempel
Original in München, Glyptothek, Inv. Nr. 85
Erworben 1913 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Rekonstruktion des Westgiebels des Aphaiatempels

Original in München, Glyptothek
Rekonstruktion nach Furtwängler Erworben 1913 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Abguss der Athena

Westgiebel Aphaiatempel
Original in München, Glyptothek, Inv. Nr. 74
Erworben 1913 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Abguss eines Kämpfers

Westgiebel Aphaiatempel
Original in München, Glyptothek, Inv. Nr. 76
Erworben 1913 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Abguss eines Bogenschützen

Westgiebel Aphaiatempel
Original in München, Glyptothek, Inv. Nr. 81
Erworben 1913 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Abguss eines sterbenden Kriegers

Westgiebel Aphaiatempel
Original in München, Glyptothek, Inv. Nr. 79
Erworben 1913 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Abgüsse der Olympiaskulpturen

Aus den Mitteln der sog. Körte-Spende konnten 1912 Abgüsse zahlreicher Skulpturen vom Zeustempel in Olympia erworben werden. Sie waren bei den deutschen Ausgrabungen 1875 dort gefunden worden, galten aber lange Zeit als künstlerisch zweitrangig. Erst um 1900 erkannte man ihren Wert als herausragende Zeugnisse des sog. Strengen Stils der griechischen Plastik in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. 

Abguss des Apollonkopfes vom Zeustempel

Original in Olympia, Archäologisches Museum
Um 460 v. Chr.
Erworben 1912 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Abguss des Apollon vom Zeustempel

Original in Olympia, Archäologisches Museum
Um 460 v. Chr.
Erworben 1912 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Die reichlichen Mittel der Körte-Spende erlaubten den An-kauf von Abgüssen umfangreicher Komplexe griechischer Bauplastik, darunter auch größerer Teile beider Giebel des Zeustempels von Olympia, besonders der monumentalen Mittelfiguren. Stellvertretend dafür steht hier der Kopf des Apollon, der zusätzlich zur ganzen Figur erworben wurde. Nur so kann die für Skulpturen des 5. Jahrhunderts v. Chr. bemerkenswerte Tatsache beobachtet werden, dass der Bildhauer auf die Ausarbeitung der nicht sichtbaren Teile des Hinterkopfes verzichtet hat.

Abguss des Zeus

Aus dem Ostgiebel des Zeustempels in Olympia
Original in Olympia, Archäologisches Museum
Um 460 v. Chr.
Erworben 1912 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Abguss der Hippodameia

Aus dem Ostgiebel des Zeustempels in Olympia
Original in Olympia, Archäologisches Museum
Um 460 v. Chr.
Erworben 1912 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Friedrich Wieseler hatte schon 1877 die Figur des „Alten Sehers“ aus dem Ostgiebel und verschiedene Köpfe für die Göttinger Abguss-Sammlung erworben. Die monumentalen Mittelfiguren der beiden Giebel hingegen – im Westen Apollon, im Osten Zeus und Hippodameia – konnten erst angekauft werden, nachdem mit der Eröffnung des neuen Institutsgebäudes am Nikolausberger Weg ausreichend hohe und geräumige Ausstellungssäle zur Verfügung standen.

Abguss eines sitzenden Greises

Aus dem Ostgiebel des Zeustempels in Olympia
Original in Olympia, Archäologisches Museum
Um 460 v. Chr.
Erworben 1877 aus Berlin

Abgüsse der Parthenonskulpturen

Von langer Hand vorbereitet, gelang Karl Otfried Müller 1829 ein großer Coup. Der britisch-hannoversche König Georg IV. schenkte der Universität Göttingen Abgüsse der wichtigsten Skulpturen vom Parthenon auf der Athener Akropolis. Sie befanden sich seit 1816 im Britischen Museum in London. Nach langer Reise über Nordsee und Weser kamen die Abgüsse im April 1830 wohlbehalten in Göttingen an: sechs Figuren aus dem Ost- und zwei aus dem Westgiebel, zwei Metopen und ein großer Teil des Ostfrieses mit der Darstellung der Götterversammlung. Müller ließ sie im ‚Antikensaal‘ im Chor der Paulinerkirche aufstellen und hielt vor ihnen seine Archäologie-Vorlesung. Keine andere deutsche Universität konnte damals mit Abgüssen der Parthenonskulpturen aufwarten. Aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts änderte sich das rasch. Damit Göttingen nicht allzu sehr ins Hintertreffen geriete, wurden 1913 aus den Mitteln der ‚Körte-Spende‘ sechs weitere Ostgiebel- und eine Westgiebelskulptur, sechs Metopen und mehrere Friesplatten erworben. In den Oberlichtsälen des kurz zuvor eingeweihten Institutsneubaus kam dieser reiche Bestand an alten und neuen Parthenon-Abgüssen optimal zur Geltung.

Abguss der ‚Iris‘

Aus dem Ostgiebel des Parthenon in Athen
Original in London, British Museum
Um 439 – 433 v. Chr.
Erworben 1913 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Abguss der ‚Laufenden Iris‘

Aus dem Westgiebel des Parthenon in Athen
Original in London, British Museum
Um 439 – 433 v. Chr.
Erworben 1913 aus Berlin aus Mitteln der Körte-Spende

Gustav Körte und die Etrusker

Gustav Körte war der führende Etrusker-Experte seiner Generation in Deutschland. Neben vielen Einzelstudien veröffentlichte er die abschließenden Bände von zwei umfangreichen Sammelwerken, die bereits lange vor ihm begonnen worden waren: die „Reliefs der etruskischen Graburnen“ seines Lehrers Heinrich Brunn und die „Etruskischen Spiegel“ von Eduard Gerhard. Von Gerhard hatte bereits Wieseler einige Spiegel für die Göttinger Sammlung erhalten.

Durch Körte gelangten weitere etruskischen Objekte nach Göttingen, vor allem als Geschenke des Sammlers und Mäzens Johannes Freiherr von Diergardt. Dazu gehört ein bedeutender Fund von Bronzestatuetten etruskischer Priester aus einem Heiligtum in der Gegend von Siena.

Vier etruskische Bronzestatuetten

200–150 v. Chr. Geschenk von Johannes Freiherr von Diergardt an Körte, von diesem an die Sammlung weitergegeben

Aufgrund ihrer spitzen Hüte werden die Figuren als Haruspices, etruskische Orakelpriester, gedeutet, die aus der genauen Betrachtung der Eingeweide von Opfertieren, besonders der Leber, weissagten.

Rundplastische Darstellungen etruskischer Priester sind äußerst selten. Das macht die Göttinger Statuetten besonders wertvoll. Die größte und am besten erhaltene unter ihnen zeigt auch eingepunzte etruskische Inschriften.

Etruskischer Bronzespiegel

500–450 v. Chr. Erworben 1886 von Wieseler aus der Sammlung Dressel
Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. M 57
Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. M 57
Rundspiegel mit gravierten Bildern auf der Rückseite waren bei den Etruskerinnen sehr beliebt. Rund 3000 Exemplare sind bekannt. Dieses Exemplar ist ungewöhnlich schwer und gehört wohl zur frühesten Phase der Spiegelproduktion. Das Bild ist in zwei Register gegliedert, oben eine Gelageszene, unten zwei Satyrn mit einer Mänade. Wie in Etrurien üblich, nehmen an dem Gelage nicht nur Männer teil, sondern auch Frauen (die Figuren links und rechts).
Adolf Klügmann und Gustav Körte

Etruskische Spiegel, Fünfter Band

Berlin 1884–1897, Tafel 37
Das fünfteilige Werk wurde von Eduard Gerhard begonnen, 1843 erschien der erste Band. Den fünften Band sollte Adolf Klügmann verfassen. Nach dessen frühem Tod 1880 übernahm Gustav Körte den Band und schloss das Gesamtwerk damit 1897 ab. Obwohl sich damals die Fotografie in der Archäologie weitgehend durchgesetzt hatte, ist auch dieser letzte Band noch fast ausschließlich mit Umrisszeichnungen ausgestattet. Im Fall der Spiegel ist dies kein Nachteil, da die eingravierten Zeichnungen andernfalls nur schwer zu erkennen wären.

Etruskischer Spiegel

250–200 v. Chr. Geschenk von Johannes Freiherrn von Diergardt an Körte, von diesem an die Sammlung weitergegeben
Liepmann, Ursula (ed.): Corpus Speculorum Etruscorum. Bundesrepublik Deutschland, Bd. 2 (München 1988), S. 102
Liepmann, Ursula (ed.): Corpus Speculorum Etruscorum. Bundesrepublik Deutschland, Bd. 2 (München 1988), S. 102
Das gravierte Rückseitenbild zeigt eine Gruppe göttlicher Wesen vor einem tempelartigen Gebäude. Die meisten sind durch etruskische Inschriften bezeichnet. In der Mitte steht Herakles (Hercle) mit einem Kind namens Epiur auf dem Arm. Rechts sitzt Athena (Menerva) neben der halb verdeckten Aphrodite (Turan). Ganz links steht ein namenloser nackter Jüngling neben der nackten Mean, einer nur auf etruskischen Spiegeln erscheindenden mythologischen Gestalt.

Etruskischer Spiegel

250–200 v. Chr. Geschenk von Johannes Freiherrn von Diergardt an Körte, von diesem an die Sammlung weitergegeben
Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. M 58
Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. M 58
Das gravierte Rückseitenbild zeigt eine Gruppe göttlicher Wesen vor einem tempelartigen Gebäude. Die meisten sind durch etruskische Inschriften bezeichnet. In der Mitte steht Herakles (Hercle) mit einem Kind namens Epiur auf dem Arm. Rechts sitzt Athena (Menerva) neben der halb verdeckten Aphrodite (Turan). Ganz links steht ein namenloser nackter Jüngling neben der nackten Mean, einer nur auf etruskischen Spiegeln erscheindenden mythologischen Gestalt.

Koren aus Athen 1923

Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts verloren Gipsabgüsse in der Öffentlichkeit, aber auch in der Archäologie mehr und mehr an Ansehen. Unter dem neuen Leitbegriff der ‚Materialgerechtigkeit‘ wurde der Gips als schäbig und unecht abgewertet und dem originalen Marmor der Vorzug gegeben. Diese Entwicklung gipfelte in der Zerstörung vieler wichtiger Abgusssammlungen im Laufe des 20. Jahrhunderts.

Göttingen blieb davon verschont. Trotz schwieriger Finanzlage nach dem Ersten Weltkrieg bemühte sich Hermann Thiersch um die Erweiterung der Sammlung. 1923 konnte er aus Athen mehrere Mädchenfiguren (Koren) aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. im Abguss erwerben. Die früher kaum bekannte und dann erst ganz allmählich verstandene griechische Skulptur der archaischen Epoche rückte in den 1920er Jahren ins Zentrum der archäologischen Forschung.

Abguss einer Kore von der Athener Akropolis

Original in Athen, Akropolismuseum 570–560 v. Chr. Erworben 1923 aus Athen
In der Reihe der Mädchenfiguren von der Akropolis ist diese eine der ältesten. In der linken Hand hält sie als Weihgabe einen Apfel, Symbol der Fruchtbarkeit.

Abguss der Peploskore

Original in Athen, Akropolismuseum Um 530 v. Chr. Erworben 1923 aus Athen
Die Peploskore ist nach ihrem Gewand, dem Peplos, benannt. Die außerordentliche künstlerische Qualität dieses Werks und der archaischen Mädchenfiguren überhaupt wurde erst im 20. Jahrhundert allgemein anerkannt. Ein etwas früher erworbenes Exemplar dieser Gruppe wurde im Göttinger Inventar noch wenig respektvoll mit dem Spitznamen „Tante“ versehen.

Abguss der Kore des Euthydikos

Original in Athen, Akropolismuseum 490–480 v. Chr. Erworben 1923 aus Athen
Die laut Inschrift von einem gewissen Euthydikos geweihte Figur ist ein wichtiges Zeugnis für den Stilwandel von der Archaik zum Strengen Stil. Von dieser Kore wurden auf der Akropolis nur die obere Hälfte und die Fußpartie gefunden. Ob die herausnehmbare Mittelpartie erst in Göttingen ange- fertigt wurde oder ob der Abguss mit Ergänzung aus Athen geliefert wurde, bleibt noch zu klären.

Ausgrabungsfunde aus Larisa

Der Archäologe Johannes Boehlau (1861–1941), Direktor des Museum Fridericianum in Kassel, führte 1902 zusammen mit schwedischen Kollegen Aus-grabungen in der frühgriechischen Palastanlage von Larisa am Hermos an der türkischen Westküste durch. Wie damals im Osmanischen Reich noch üblich, wurde den beiden Ausgräbern ein Teil der Fundobjekte übereignet.

Nach seiner Pensionierung übersiedelte Boehlau 1931 nach Göttingen. Sein wissenschaftlicher Nachlass, ein-schließlich der Funde aus seinen Grabungen in Larisa und in Pyrrha auf Lesbos (1907), ging in den Besitz des Göttinger Archäologischen Instituts über. Durch die sehr detaillierte Funddokumentation sind diese Materialien eine wichtige Quelle insbesondere zur Erforschung der ostgriechischen Keramik des 7. und 6. Jahrhunderts vor Chr.

Kleiner zweihenkliger Kessel

Um 650 v. Chr., Gefunden in Larisa
Archäologische Originalsammlung, ohne Inv.-Nr.
Archäologische Originalsammlung, ohne Inv.-Nr.
Auf dem Schulterfries des kleinen Kessels sind stilisierte Schwäne dargestellt. Die meisten Gefäße aus Larisa sind Reste von Weihgaben in einem Athena-Heiligtum und stammen aus einer einheitlichen Schuttablagerung. Sie können daher nicht nach Ablagerungsschichten datiert werden, sondern nur durch stilistische Vergleiche mit Gefäßen aus besser datierbaren Fundzusammen- hängen, z. B. Gräbern.

Fragment einer Kanne

Um 600 v. Chr., Gefunden in Larisa
Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. 447
Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. 447
Im 7. Jahrhundert dominierte im Mittelmeerraum die Keramik aus Korinth, geschmückt mit Friesen von Fabel-tieren. An der Küste Kleinasiens bildete sich ein eigener Stil heraus, der vorwiegend reale Tiere wiedergibt, vor allem weidende Wildziegen. Der Bildfries auf der Schulter dieser Kanne zeigte wohl ursprünglich vier große Wildziegen. Ungewöhnlich für die sonst sehr regelmäßigen Dekorationen des Wild Goat Style ist das winzige Jungtier, das den Bildfries auflockert.

Halsfragment einer dunkelgrundigen Kanne

600–550 v. Chr., Gefunden in Larisa
Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. 262 a-b; 258
Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. 262 a-b; 258
Neben der hellgrundigen Keramik gibt es in Larisa auch eine eigentümliche dunkelgrundige Ware, die mit weiß und rot aufgemalten Mustern verziert ist. Beide Gattungen wurden in örtlichen Werkstätten hergestellt.

Fragment eines Skyphoskraters

600 v. Chr., Gefunden in Larisa
Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. Skyphoskrater-A
Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. Skyphoskrater-A
Ein Skyphoskrater verbindet Elemente des Kraters (großes Mischgefäß für Wein und Wasser) und des Skyphos (zweihenkliges Trinkgefäß). Das Gefäß hatte fast einen halben Meter Durchmesser und ist etwa 40 cm hoch zu ergänzen. Die Bemalung ist in mehrere Zonen unterteilt. Die oberen beiden Bildfriese zeigen weidende Hirsche. Die restliche Verzierung besteht aus floralen Mustern und weiteren Ornamentbändern, jeweils durch breite Firnisbänder getrennt.

Grabungsunterlagen der Larisa-Grabung aus dem Nachlass Johannes Boehlaus

Notizbuch Boehlaus, Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. Boehlau_Larisa_I_03
Notizbuch Boehlaus, Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. Boehlau_Larisa_I_03
Notizbuch Boehlaus, Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. Boehlau_Larisa_II_15
Notizbuch Boehlaus, Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. Boehlau_Larisa_II_15
Fotografie der Grabung in Larisa, Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. 1932-33 21
Fotografie der Grabung in Larisa, Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. 1932-33 21
Fotografie der Grabung in Larisa, Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. 1932-33 14a
Fotografie der Grabung in Larisa, Archäologische Originalsammlung, Inv.-Nr. 1932-33 14a
Grabungsplan Boehlaus, Archäologische Originalsammlung, ohne Inv.-Nr.
Grabungsplan Boehlaus, Archäologische Originalsammlung, ohne Inv.-Nr.
Boehlau hat seine Beobachtungen in Dutzenden von gleichartigen querformatigen Notizbüchern festgehalten, sowohl in Beschreibungen als auch in sorgfältig ausgeführten Zeichnungen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Dekoration der gefundenen Gefäße. Boehlau plante ein großes Grundlagenwerk zur griechischen Ornamentik, zu dem viele Vorarbeiten in seinem Nachlass vorhanden sind, das aber unvollendet blieb.

Kurt Müllers Forschungen in Tiryns

Kurt Müller

Kurt Müller (1880–1972) hat sich während seiner jahrzehntelangen Tätigkeit am Göttinger Archäologischen Institut in besonderer Weise um die Sammlungen verdient gemacht. So führte er das Inventar der Gipsabgüsse und bereicherte die Original-Sammlung um wichtige Scherbenfunde aus Griechenland. Müllers besonderes Interesse galt der mykenischen Epoche. Er arbeitete vor allem in Mykenes Nachbarstadt Tiryns, wo bereits Heinrich Schliemann seit 1876 intensiv gegraben hatte und später vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) systematische Forschungen begonnen wurden, die bis heute andauern. Müller leitete 1909–1913 die Grabung und verfasste mehrere Bände der großen Tiryns-Publikation des DAI, darunter Band 3: Die Architektur der Burg und des Palastes (1930).

Rekonstruktion des Alabasterfrieses aus Tiryns

Angefertigt in der Göttinger Abguss-Sammlung von Kurt Müller und Ludwig Pieper, vor 1930
Im Zusammenhang mit seinen Forschungen zum Palast von Tiryns erstellte Kurt Müller zusammen mit dem technischen Mitarbeiter (offiziell: „Hilfsdiener“) des Archäologischen Instituts Ludwig Pieper diese Rekonstruktion des sog. Kyanosfrieses aus Tiryns. Das Original stammt aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. Die aus Alabaster gearbeiteten Schmuckplatten verkleideten die Sockelzone der Wände in der Vorhalle des Hauptgebäudes, des Großen Megarons. Die in der Rekonstruktion farbig gefassten Elemente waren Einlagen aus blauer (griech. kyanos) Glaspaste.