Allgemeine Angaben
Inventarnummer:
A 106
Kurzbezeichnung:
Olympia, Zeustempel, Westgiebel, Apollon
Abguss
Breite Abguss:
2.11m
Höhe Abguss:
2.8m
Dicke Abguss:
0.61m
Material:
Gips
Bemerkung:
mit Hilfe der Krupp-Körte-Stiftung erworbenAbguß mit den Ergänzungen, in 6 Teilen, mit Gußnähten
Bezugsdatum:
1912
Original
Name:
Olympia, Zeustempel, Westgiebel, Apollon
Material:
Marmor
Format:
überlebensgroß
Funktion:
Bauplastik
Gattung:
Rundplastik
Untergattung:
Idealfigur
Ergänzungen:
zwischen den einzelnen Fragmenten
Herkunft:
Land: Griechenland, Ort: Olympia
Datierung:
-0470 bis -0456
Epoche:
Strenger Stil
Aufbewahrung:
Land: Griechenland
Ort: Olympia
Museum: Archäologisches Museum
Im Westgiebel des Zeustempels von Olympia war der Kampf der Lapithen gegen die Kentauren bei der Hochzeit des Peirithoos dargestellt. Die meisten Figuren dieser reich bewegten Kampfdarstellung wurden bei den deutschen Ausgrabungen in Olympia seit 1875 wiedergefunden.
In der Mitte des Giebelfeldes stand, alle anderen Figuren weit überragend, der jugendliche Gott Apollon. Mit gebieterischer Geste streckt er den rechten Arm aus. In der gesenkten Linken hielt er vermutlich einen aus Bronze gearbeiteten Bogen. Die Kentauren hatten, indem sie sich an den Frauen der Lapithen vergriffen, ein nach griechischem Verständnis grundlegendes und heiliges Prinzip menschlichen Zusammenlebens, die Gastfreundschaft, grob verletzt. Durch sein Eingreifen stellt Apollon, der Gott des Rechts, die aus den Fugen geratene Ordnung wieder her. Die klaren, rechtwinkligen Achsen seines gerade aufgerichteten Körpers und seines waagerecht ausgestreckten Armes stehen in deutlichem Gegensatz zum heftig wogenden Kampfgetümmel um ihn herum. Die Grundaussage der Darstellung, der Widerstreit von Ordnung und Chaos, kommt in diesem Kontrast sinnfällig zum Ausdruck.
Wie ein festes Bauwerk ist der nackte Körper des Gottes aus großen, ruhigen Formen gefügt. Der Kopf ist entschieden zur Seite gewandt, der Blick folgt der Richtung des ausgestreckten Armes. Apollon trägt eine elegante Modefrisur mit kleinen Schneckenlocken über Stirn und Schläfen. Das Nackenhaar ist emporgekämmt und über einem Haarreifen eingeschlagen. Die großen Ohren sitzen sehr hoch und weit hinten. Die Formen des Gesichts sind so klar und ruhig wie möglich gestaltet. Kennzeichnend sind das schwere runde Kinn, die vollen, leicht geöffneten Lippen, die gerade Nase und die schmalen, von kräftigen Lidern gerahmten Augen. All dies macht den Apollon zu einem Musterbeispiel für die Formensprache des „Strengen Stils“.
Erstaunlicherweise ist der Bereich des Hinterkopfes, der für die Betrachter des Giebels nicht sichtbar war, nur grob ausgearbeitet. Der Apollonkopf ist damit auch ein wichtiges Zeugnis für die griechische Bildhauertechnik des 5. Jahrhunderts v. Chr.

