Einführung in die Ausstellung
Das Archäologische Institut der Universität Göttingen beherbergt drei außerordentlich reiche wissenschaftliche Sammlungen:
– die Sammlung der Gipsabgüsse mit mehr als 2.000 maßgetreuen Reproduktionen antiker Skulpturen,
– die vielfältige Originalsammlung antiker Vasen, Bronzen, Marmorwerke, Gläser, Gemmen und Terrakotten,
– das universitäre Münzkabinett mit über 40.000 Münzen und Medaillen aus allen Weltgegenden und Epochen.
Die Geschichte dieser Sammlungen reicht weit zurück: Das erste Objekt wurde vor 260 Jahren erworben. Vor 200 Jahren wurde erstmals ein eigener ‚Antikensaal‘ eingerichtet, um das bis dahin Gesammelte unter einem Dach zu vereinen und für die Lehre nutzbar zu machen. 1842 folgte die Gründung eines eigenen archäologischen Instituts. Die Göttinger Universität ist die erste Hochschule, an der die Archäologie zum festen Lehrangebot gehörte. Seit 1767 hielt Christian Gottlob Heyne regelmäßig Vorlesungen über die Kunst der Antike, die von Studenten aus ganz Europa besucht wurden. Mit dem Ankauf plastischer Reproduktionen antiker Kunstwerke hatte er schon 1763 begonnen. Vor allem die vorbildliche Kunst der Griechen sollte den Studierenden nicht nur durch Texte, sondern durch anschauliche Objekte nahegebracht werden.
Das Sehen und der physische Kontakt mit den Gegenständen – im Original oder in der dreidimensionalen Kopie – ist für die Archäologie als Objekt- und Bildwissenschaft grundlegend. Sammlungen waren daher ein wichtiger Faktor auf dem Weg des Faches zur Unabhängigkeit von der langen Vorherrschaft der Philologie. In Göttingen vollzog sich dieser Prozess besonders früh im Vergleich zu Universitäten mit weniger bedeutenden Sammlungen.
Die Ausstellung „Antike im Blick“ beleuchtet die 260-jährige Geschichte des archäologischen Sammelns an der Universität Göttingen anhand markanter Episoden und Exponate. Sie ist in fünf Hauptteile und über 20 Einzelthemen gegliedert. Erstmals können Objekte aus der Originalsammlung und dem Münzkabinett gezeigt werden, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind.